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Zum 20. Todestag Friedrich Heers | Hubert Feichtlbauer

Friedrich Heer: 1916 - 1983
Historiker, Publizist, Romancier und vor allem Anstoßgeber für Österreich

Am 18. September 2003 jährt sich zum 20. Mal der Todestag von Friedrich Heer, der in den ersten Jahrzehnten nach der NS- und Weltkriegs-Katastrophe das geistige Leben in Österreich nachhaltig befruchtet und entscheidende Impulse für viele heute als selbstverständlich empfundene Entwicklungen gegeben hat.

Mit dem "Gespräch der Feinde" (1949) lieferte er einen wesentlichen Anstoß für den Dialog innerhalb der katholischen Kirche, der christlichen Kirchen miteinander sowie der Kirchen mit Gesellschaft und Staat. Die Versöhnung von Kirche und sozialdemokratischer Arbeiterschaft durch Kardinal Franz König bezog von dorther wichtige Impulse. Eine große Zahl von stark historisch inspirierten Büchern widmete Heer dem Gedanken einer Zusammengehörigkeit aller Staaten Europas, wofür er jedoch das Bewußtsein nationaler Eigenheit ("Der Kampf um die österreichische Identität" 1981) als Voraussetzung erachtete.

Zu den untilgbaren Spuren, die Friedrich Heer in Österreichs Geistesleben hinterlassen hat, gehört auch sein Eintreten für eine Erneuerung der katholischen Kirche, die er im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils schon vor diesem verfocht, und sein Plädoyer für eine liebende Bejahung von Juden und Judentum ("Gottes erste Liebe" 1967). Heer las an der Universität Wien über die Geistesgeschichte Europas, aber zu einer Berufung als ordentlicher Universitätsprofessor konnte sich die damalige Philosophische Fakultät nicht durchringen.

Seine Gedanken verbreitete Friedrich Heer außer in seinen vielen Büchern (auch Romanen) wortgewaltig vor allem in der katholischen Wochenzeitung "Die Furche" und anderen führenden Journalen sowie in Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen im In- und Ausland. Aus der "Furche" 1961 als zu "linkskatholisch" verdrängt, diente er 20 Jahre lang dem Burgtheater als Dramaturg. Seiner manischen Schreibbesessenheit folgte er als Essayist und Rezensent bis zu seinem Tod am 18. September 1983.

Seine große Stärke war, wie ihm der Soziologe Leopold Rosenmayr attestierte, "die Fähigkeit, zum Exemplarischen vorzudringen". Eben deshalb hat er auch Heutigen noch viel zu sagen.

--Hubert Feichtlbauer
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